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Ratgeber

Überschussstrom einspeisen: was passiert mit dem Strom?

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Ein Balkonkraftwerk erzeugt Strom, wenn die Sonne scheint, und nicht unbedingt, wenn Sie ihn brauchen. Diese Seite erklärt, wohin der Teil des Stroms geht, den Ihr Haushalt in diesem Moment nicht abnimmt, warum sich das Einspeisen meist nicht auszahlt und mit welchen Mitteln Sie den Eigenverbrauch erhöhen. Die Leistungsgrenzen beschreibt 800 VA Grenze, die Meldepflichten Anmeldepflicht. Das ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.

Der Weg des Stroms im Haus

Der Wechselrichter speist den Solarstrom über die Steckdose in Ihren Stromkreis ein. Dort wird er zuerst von allen Geräten genutzt, die gerade laufen, etwa Kühlschrank, Router oder Standby-Verbraucher. Das ist der Eigenverbrauch. Je mehr Strom vor Ort direkt gebraucht wird, desto weniger Strom müssen Sie aus dem Netz beziehen.

Übersteigt die Erzeugung den momentanen Bedarf, bleibt ein Überschuss. Physikalisch fließt dieser Strom über Ihren Hausanschluss und Zähler hinaus ins Netz und wird dort von Nachbarn mitverbraucht. Sie müssen dafür nichts schalten, es geschieht automatisch.

Warum es meist keine Vergütung gibt

Große Photovoltaikanlagen erhalten für eingespeisten Strom unter bestimmten Voraussetzungen eine Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Bei steckerfertigen Geräten verzichten viele Betreiber darauf. Der Grund ist der Aufwand: Eine Vergütung setzt in der Regel einen passenden Zähler, eine Abrechnung mit dem Netzbetreiber und gegebenenfalls steuerliche Überlegungen voraus. Bei den kleinen Mengen eines Balkonkraftwerks steht das meist in keinem Verhältnis zum Ertrag.

Ob und wie eine Vergütung im Einzelfall möglich ist, hängt von der aktuellen Rechtslage und Ihrem Netzbetreiber ab. Fragen Sie dort nach oder lassen Sie sich beraten. Ein Strom-Verkauf an Dritte im Sinne eines Geschäfts ist mit einem Balkonkraftwerk normalerweise nicht gemeint.

Zähler: Warum die Bauart zählt

Beim Einspeisen kann ein älterer Ferraris-Zähler mit Drehscheibe rückwärts laufen. Das ist nicht vorgesehen. Üblich sind deshalb Zähler mit Rücklaufsperre oder moderne Messeinrichtungen, die Bezug und Einspeisung getrennt erfassen. Wer einen Zählertausch braucht, sollte das mit dem Netzbetreiber klären. Mehr dazu steht in Zähler für Balkonkraftwerk und Smart Meter.

Hinweis:Ein rückwärts laufender Zähler ist kein Trick, um Strom zu sparen. Lassen Sie den Zähler bei Unsicherheit vom Netzbetreiber oder einer Elektrofachkraft einordnen.

Wie viel Überschuss typisch ist

Wie viel Strom ungenutzt ins Netz geht, hängt stark von Ihrem Tagesablauf ab. Wer tagsüber arbeitet und nur Grundlast hat, speist einen größeren Anteil ein. Wer im Homeoffice ist, kocht, wäscht oder Geräte lädt, nutzt mehr selbst. Feste Prozentwerte lassen sich nicht seriös angeben, weil Haushalte sehr unterschiedlich sind.

Eine grobe Orientierung gibt der Vergleich von Grundlast und Modulleistung: Liegt die Grundlast bei einigen Dutzend Watt und die Anlage liefert mittags mehrere hundert Watt, entsteht um die Mittagszeit regelmäßig ein Überschuss. Mit dem Ertrags- und Amortisationsrechner können Sie verschiedene Eigenverbrauchsanteile durchspielen.

Eigenverbrauch erhöhen

Sie können den Anteil des selbst genutzten Stroms erhöhen, ohne etwas zu kaufen, indem Sie den Verbrauch in die sonnigen Stunden verlegen. Praktisch ist das vor allem bei Geräten, die Sie zeitlich steuern können.

  • Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler tagsüber starten, wenn die Sonne scheint
  • Akkus von Werkzeug, Laptop und E-Bike mittags laden
  • Geräte mit Zeitschaltuhr oder Smart-Steckdose in die Mittagszeit legen
  • Verbrauch im Blick behalten, etwa über die App des Wechselrichters

Speicher als Option

Ein Speicher nimmt den Überschuss auf und gibt ihn abends wieder ab. Das erhöht den Eigenverbrauch, kostet aber zusätzlich Geld und Platz und bringt eigene Anforderungen mit. Ob sich das lohnt, hängt von Überschuss und Abendverbrauch ab. Einen Überblick gibt der Ratgeber Balkonkraftwerk mit Speicher, die Größenfrage klärt der Speichergrößen-Rechner.

Balkonkraftwerk mit Speicher ansehen →

Nulleinspeisung als Gegenstück

Wer gar nichts einspeisen möchte, kann den Wechselrichter so regeln, dass er nur so viel liefert, wie im Haus gebraucht wird. Das nennt man Nulleinspeisung. Es setzt passende Messtechnik und Geräte voraus und verschenkt dafür den Überschuss. Die Einzelheiten erklärt Nulleinspeisung beim Balkonkraftwerk.

Was Sie am Verbrauch ablesen können

Bevor Sie über zusätzliche Technik nachdenken, lohnt ein Blick auf Ihre Zahlen. Viele Wechselrichter-Apps zeigen die aktuelle Leistung und den Tagesertrag. Vergleichen Sie diese Kurve mit dem, was zu Hause läuft. Entsteht der Ertrag vor allem mittags, während niemand Strom braucht, ist der Überschuss groß. Läuft dagegen tagsüber ein Homeoffice oder ein Gefrierschrank, wird ein größerer Teil direkt genutzt.

Ein Haushaltsstromzähler oder ein Messadapter an einzelnen Geräten hilft zusätzlich, die Grundlast zu finden. Diese Grundlast ist der Strombedarf, der auch ohne aktive Nutzung anliegt, etwa durch Router, Kühlgeräte und Standby. Sie bestimmt, wie viel Solarstrom sicher im Haus bleibt.

Einspeisung und Sicherheit

Dass Strom ins Netz zurückfließt, ist bei netzgekoppelten Wechselrichtern vorgesehen. Die Geräte besitzen eine Netzüberwachung und schalten bei einem Stromausfall ab, damit keine Spannung auf ein abgeschaltetes Netz gelangt. Das ist ein wichtiger Grund, warum nur dafür vorgesehene und zugelassene Geräte verwendet werden sollten. Mehr zum Anschluss steht in Balkonkraftwerk anschließen.

Hinweis:Arbeiten an der Hausinstallation gehören in die Hand einer Elektrofachkraft. Das ist keine Rechtsberatung, prüfen Sie die aktuelle Regelung.

Häufige Fragen

Bekomme ich Geld für den eingespeisten Strom? In der Regel nein. Bei steckerfertigen Geräten wird der Überschuss meist nicht gesondert vergütet. Prüfen Sie die aktuelle Rechtslage und fragen Sie bei Bedarf Ihren Netzbetreiber.

Ist es schlimm, wenn Strom ins Netz geht? Nein. Kleine Mengen sind technisch unproblematisch und gehören zum Normalbetrieb. Geräte mit Netzüberwachung schalten bei Störungen im Netz ab.

Verliere ich Geld, wenn ich zu viel einspeise? Sie verschenken den Überschuss, zahlen aber nichts drauf. Der Nutzen entsteht dort, wo Sie Strom selbst verbrauchen und weniger beziehen.

Muss ich die Einspeisung irgendwo melden? Das Gerät selbst wird nach aktueller Regel im Marktstammdatenregister gemeldet. Eine gesonderte Meldung der Einspeisemenge ist bei einem Balkonkraftwerk nicht üblich. Details im Beitrag zur Anmeldepflicht.

Was Sie dafür brauchen