Anleitung
Speichergröße fürs Balkonkraftwerk berechnen
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Kurz gesagt
Die passende Speichergröße ist der kleinere Wert aus Ihrem Nachtverbrauch und dem Tagesüberschuss der Module. Diese nutzbare Kapazität teilen Sie durch Entladetiefe und Wirkungsgrad und runden auf die nächste handelsübliche Stufe auf. Der Speichergrößen-Rechner dieser Seite macht das mit Richtwerten für Sie.
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Ein zu großer Speicher bleibt oft halb leer, ein zu kleiner ist abends schnell erschöpft. Diese Anleitung zeigt, wie Sie die Größe aus Grundlast, Nachtverbrauch und Modulleistung ableiten, und rechnet ein Beispiel vor. Alle Werte sind Richtwerte. Die Ergebnisse verändern sich mit Jahreszeit, Ausrichtung und Ihrem Verbrauch, rechnen Sie darum mit Spannen.
Schritt 1: Nachtverbrauch bestimmen
Als Erstes ermitteln Sie die Grundlast, also den Strom, der rund um die Uhr gebraucht wird: Kühlschrank, Router, Standby. Sie sehen sie am besten an einem Smart Meter, an einem Messgerät oder am Zähler nachts bei ausgeschalteten Geräten. Die Grundlast in Watt mal die Zahl der Stunden ohne Sonne (der Rechner nimmt 12 Stunden an) geteilt durch 1000 ergibt den Nachtverbrauch in Kilowattstunden.
Beispiel: 150 W Grundlast über 12 Stunden sind 1,8 kWh. Wer abends mehr verbraucht, etwa durch Kochen oder Fernseher, kann den Zeitraum oder die Last anpassen.
- 1
Grundlast in Watt messen oder schätzen.
- 2
Stunden festlegen, die der Speicher überbrücken soll.
- 3
Nachtverbrauch = Grundlast mal Stunden geteilt durch 1000.
Schritt 2: Tagesüberschuss abschätzen
Der Speicher wird nur mit dem geladen, was die Module über den direkten Verbrauch hinaus liefern. Der Rechner nimmt als Tagesertrag je kWp im Sommer 4,0 kWh an, im Frühjahr und Herbst 2,5 kWh und im Winter 0,8 kWh (Süd, 30 Grad). Vom Tagesertrag zieht er den direkt genutzten Verbrauch ab, angenommen als die Hälfte des Tagesverbrauchs.
Beispiel: 0,8 kWp im Sommer ergeben 3,2 kWh. Bei 4 kWh Tagesverbrauch gehen etwa 2,0 kWh direkt weg, es bleiben rund 1,2 kWh Überschuss. Im Frühjahr und Herbst sieht das schwächer aus, im Winter bleibt kaum etwas übrig. Mehr zum Winter im Beitrag Balkonkraftwerk im Winter.
- 1Direktverbrauch: Der Solarstrom, der gleich im Haushalt gebraucht wird.
- 2Überschuss: Mittags liefern die Module mehr, als läuft. Ohne Speicher geht dieser Teil ins Netz.
- 3Speicherladung: Mit Speicher wird derselbe Überschuss in die Batterie geladen.
- 4Speicherentladung: Abends deckt die Batterie den Verbrauch, bis sie leer ist.
Durchgezogene Linie: Verbrauch. Gestrichelte Linie: Solarertrag. Beispielhafter Sommertag, keine Messung.
| Jahreszeit | kWh je kWp und Tag |
|---|---|
| Sommer | 4,0 |
| Frühjahr und Herbst | 2,5 |
| Winter | 0,8 |
Schritt 3: nutzbare und nominale Kapazität
Die nutzbare Kapazität ist der kleinere Wert aus Nachtverbrauch und Tagesüberschuss, denn mehr kann der Speicher weder aufnehmen noch sinnvoll abgeben. Im Beispiel sind das 1,2 kWh. Da ein Speicher nicht komplett entladen wird und Wandlungsverluste entstehen, teilen Sie durch Entladetiefe (0,9) und Wirkungsgrad (0,9). Das ergibt eine nominale Kapazität von rund 1,5 kWh.
Handelsübliche Stufen sind 1,0, 1,6, 2,0, 2,2, 2,7, 3,2 und 4,0 kWh. Sie runden nach oben, im Beispiel auf 1,6 kWh. Eine Faustregel von Herstellern: etwa 1 kWh Speicher je 400 bis 600 Wp Modulleistung bei Balkonanlagen. Beide Wege führen hier zu ähnlichen Ergebnissen.
Schritt 4: Leistung prüfen
Neben der Kapazität zählt die Ausgangsleistung. Sie sollte Grundlast plus Spitzen decken, empfohlen wird mindestens das Anderthalbfache der Grundlast. Liegt Ihre Grundlast bei 150 W, wären das 225 W. Viele Speicher geben deutlich mehr ab, begrenzt wird die Einspeisung aber auf 800 VA am Wechselrichter, so sieht es das Solarpaket I (2024) vor. Prüfen Sie die aktuelle Fassung.
Achten Sie außerdem auf die Eingänge: Wie viele Module kann der Speicher aufnehmen und wie viel Leistung darf pro Eingang anliegen? Die Angaben stehen im Datenblatt. Modelle mit mehreren MPPT-Eingängen nehmen mehr Module auf, beispielsweise nennt das Listing des BigBlue Powafree 2.560 Wh drei MPPT. Welche Geräte gängig sind, zeigt der Vergleich der Speicher für Balkonkraftwerke.
Beispiel mit zwei Varianten
Haushalt A hat 150 W Grundlast, 4 kWh Tagesverbrauch und 800 Wp. Nachtverbrauch 1,8 kWh, Sommerüberschuss rund 1,2 kWh. Nutzbar sind 1,2 kWh, nominal etwa 1,5 kWh, gewählt wird die Stufe 1,6 kWh. Im Frühjahr und Herbst bleibt rechnerisch kaum Überschuss (2,0 kWh Ertrag minus 2,0 kWh direkt), dann wird der Speicher nicht voll.
Haushalt B hat 250 W Grundlast, 8 kWh Tagesverbrauch und 1600 Wp. Nachtverbrauch 3,0 kWh, Sommerüberschuss: 6,4 kWh Ertrag minus 4 kWh direkt, also 2,4 kWh. Nutzbar sind 2,4 kWh, nominal rund 3,0 kWh, gewählt wird die Stufe 3,2 kWh. Hier hilft der Hinweis, dass die Einspeisung des Wechselrichters bei 800 VA endet. Mehr zur Kombination von Modul- und Wechselrichterleistung steht im Beitrag 800 oder 2000 Watt.
Wann ein größerer Speicher sinnvoll ist
Mehr Modulleistung, mehr Tagesverbrauch oder ein hoher Abendverbrauch sprechen für eine größere Kapazität. Auch modulare Speicher, die sich erweitern lassen, sind eine Option, wenn Sie später aufstocken wollen. Rechnen Sie aber ehrlich, denn jede zusätzliche Kapazität kostet und wird nur genutzt, wenn Überschuss vorhanden ist.
Ob sich ein Speicher überhaupt lohnt, klären Sie vorab im Beitrag Balkonkraftwerk mit oder ohne Speicher und im Ertragsrechner.
Hinweis:Alle Werte sind Richtwerte. Sicherheit und Anschluss richten sich nach den Herstellerangaben, bei Zweifeln ist eine Elektrofachkraft zu fragen.
Häufige Fragen
Wie groß sollte der Speicher für zwei Module sein? Als Faustregel nennen Hersteller etwa 1 kWh je 400 bis 600 Wp. Für zwei Module mit insgesamt rund 800 Wp liegen Sie damit im Bereich von 1,5 bis 2 kWh. Rechnen Sie Ihren Fall nach.
Lohnt sich ein sehr großer Speicher? Meist nicht, weil der Überschuss begrenzt ist. Ein zu großer Speicher wird selten voll.
Was bedeutet nutzbare Kapazität? Das ist die Energie, die Sie tatsächlich entnehmen können. Sie liegt unter der nominalen Kapazität.
Muss ich die Rechnung im Winter wiederholen? Sinnvoll ist die Auslegung auf Frühjahr bis Herbst, weil im Winter kaum Überschuss entsteht.
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